Virilio Cubes

The Installation Virilio Cubes consists of 5 orthogonal objects positioned in a room. The objects are made of gelatine, voice coils are cast in and transfer sonic impulses on the materiality of the body. The cubes make audible the passages of diverse skateboard rides in urban space. A coherent movement of the acoustic events through the five oscillating elements sets up an immaterial connection between them.

The visitors can move freely through the space to experience the acoustic motion of the skateboard sounds. Further the haptile aspect, the transmission of acoustic movement unto the gelatine objects in form of surface oscillation calls for bodily contact by the recipient. The cubes can be touched to experience the tactile sensation of sonic data in relation to the immaterial acoustic events.

Video documentation

Wie kaum ein anderes Kunstwerk verkörpern die “Virilio Cubes” Thom Kublis die Leitideen des Medientheoretikers Paul Virilio und damit Grundzüge unserer gegenwärtigen Zivilisation. Die Invasionsmacht moderner Implantationstechniken läßt Virilio den menschlichen Körper als einen endogenen Maschinenbetrieb denken. Diesen Betrieb figuriert Kubli durch aus Haut gewonnene Gelatine in Würfelform, erinnert der Würfel doch an eine archetypische Form, die in Gestalt des homo quadratus eines Vitruv oder Leonardo da Vinci immer schon den Menschen schlechthin repräsentiert hat.

In die Würfel sind Lautsprecherspulen eingelassen, die zusammen die Läufe verschiedener Skateboards im städtischen Raum wahrnehmen lassen. Laut Virilio ist gerade die Logik des Laufs oder der Geschwindigkeit, die “Dromologie”, prädestiniert, gesellschaftliche Verhältnisse zu verstehen. Unsere Gesellschaft lebe in neuen Megalopolen steter tele-audiovisueller Beschleunigung, die mit der traditionellen Stadt als einem Ort der Dauer und des Verweilens auch den Raum negieren und den Ort als solchen infragestellen. Untermauert Kublis Arbeit in ihrer dynamischen Repräsentation von  Skatern einerseits jenes Credo Virilios, stehen andererseits gerade die Kuben in ihrer statischen Kompaktheit der von Virilio behaupteten Entwirklichung und Ästhetik des Verschwindens entgegen.

Schließlich läßt sich der Werktitel “Virilio Cubes” auch als ein Oxymoron begreifen, und vielleicht verbirgt sich hinter demselben nicht zuletzt die Widerständigkeit gegen ein allzu großes Tempo der einen oder anderen Medientheorie.

Thomas Hensel, 2003

Material: Gelatine, Voice Coils, Amplifier, Wiring, Dvd-Player | Audio Material: Recordings of Urban Skateboard Rides  | Dimensions: Variable; Minimum Extension of the Arrangement 14ft x 14ft | Year: 2003-2009

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